Redebeitrag Feministischer Streik

Hallo an alle,

und schön, dass ihr heute mit uns auf der Straße seid, für einen kämpferischen, wütenden und bestärkenden feministischen Kampftag!

Wir stehen hier, weil es leider so gut wie keine FLINTA* Person, keine Frau, keine Lesbe, keine Inter, Nicht-binäre, Trans oder Agender Person gibt, die nicht schon einmal einen belastenden Übergriff erlebt hat. Übergriffiges Verhalten ist für uns alltäglich…wir werden sexuell belästigt, bedrängt und klein gemacht auf der Straße, in den Öffis, beim Amt, beim Ausgehen, beim Sport, in der Schule, auf der Arbeit, in der Familie und vor allem zuhause.  Doch das Patriarchat beschert uns nicht nur traumatische Erlebnisse, sondern sorgt auch dafür, dass betroffenen Menschen nicht geholfen wird:

  • Die Wartezeit für eine Erstberatung für Betroffene von geschlechtsspezifischer Gewalt beträgt in Bremen derzeit 16 Wochen.
  • Betroffene müssen monatelang auf einen Platz in Frauenhäusern warten, wenn sie den Platz überhaupt bezahlen können.
  • Und der nächste freie Platz in einem Frauenhaus liegt von Bremen aus gesehen momentan bei Wolfsburg.
  • 000 Frauenhausplätze fehlen deutschlandweit.

Die Istanbul-Konvention ist vor 6 Jahren in Deutschland in Kraft getreten, um die Situation zumindest etwas zu verbessern z.B. dadurch,

  • dass Frauenhausplätze unabhängig von Fallpauschalen ausfinanziert werden sollen,
  • dass Polizei und Justiz ausgebildet werden in Bezug auf geschlechtsbezogene Gewalt und
  • dadurch dass Beratungsstellen ausgebaut werden sollen.

Und was davon ist passiert? Nichts!

Deutschland und auch Bremen bleiben weit hinter den Zielen zurück. Sowohl von Menschenrechtsorganisationen als auch dem Gremium der EU, das die Umsetzung der Konvention überprüft wurde Deutschland sogar dafür gerügt, dass die Istanbul-Konvention nicht ausreichend umgesetzt wird. Und der Punkt, an dem es vor allem scheitert, ist die Finanzierung – die Verteilung von Geldern!

Bestehende Hilfeeinrichtungen können nicht einmal den Status Quo aufrecht halten, weil die Finanzierung nicht angepasst wurde an die steigenden Kosten der Inflation. In Bremen sind durch den Wegfall des Corona Fonds, sowie durch den bisher fehlenden Landeshaushalt die meisten sozialen Einrichtungen, und somit auch Gewaltschutzeinrichtungen, in ihrer Arbeit essentiell bedroht. Von einer Bedarfsgerechten Finanzierung der Einrichtungen sind wir meilenweit entfernt.

Doch wir sagen: Das Geld ist da – Es muss nur zur Verfügung gestellt und (richtig) umverteilt werden!

Wir fordern daher:
eine Priorisierung von Gewaltschutz und FLINTA*-Leben!
und damit mindestens die sofortige Umsetzung der Istanbul Konvention!

Das heißt: eine dauerhafte, bedarfsorientierte und unbürokratische Regelfinanzierung von Gewaltschutz- und Sozialeinrichtungen.

Es muss sichergestellt werden, dass Gewalt-Betroffene ein Frauenhaus an ihrem Wohnort aufsuchen können und nicht in gewaltvollen Beziehungen ausharren müssen!

Wir fordern außerdem:
eine kostenlose und anonyme Unterbringung, die unabhängig vom Aufenthaltsstatus ist!

Wir fordern:
dass Entscheidungsträger*innen endlich die Augen öffnen und etwas dagegen tun, dass jeden dritten Tag ein Mensch umgebracht wird, nur weil dieser ein bestimmtes Geschlecht hat.

….dass etwas dafür getan wird, dass die dahinterliegenden Strukturen, die Menschenleben systematisch gefährden abgebaut, und Strukturen, die Menschen wirklich schützen aufgebaut werden.

Daher fordern wir:
langfristige Konzepte für Gewaltprävention und Sicherheit, statt Polizei und Gefängnisse!

Es braucht eine Förderung von Jugendarbeit zur Gewaltprävention.

Es braucht emanzipatorische Mädchenarbeit, sowie Jungenarbeit, in der diese lernen können, was das Patriarchat mit ihnen macht, und Aufklärungsarbeit über die geschlechtliche Vielfalt!

Wir fordern:
eine Sozialpolitik, die nicht dort kürzt wo es wenig gibt, sondern von oben nach unten umverteilt!

Schluss mit der Abwertung feminisierter Berufe und Lebensbereiche!

Weg mit der Schuldenbremse! Her mit einer Reichensteuer! Her mit dem guten Leben für alle!

Wir stehen hier, weil wir nicht aufhören werden zu kämpfen bis wir in einer Gesellschafts und Wirtschaftsform leben, die sorge-zentriert und gemeinwohl-orientiert ist. Eine Gesellschaft, in der unsere Grundbedürfnisse und ein solidarisches Miteinander im Vordergrund stehen. Lasst uns laut sein für eine Welt, in der kein Mensch strukturell bedroht ist und niemand allein gelassen wird!

 


Hello everyone,

and great to see you on the streets with us today for a militant, angry and empowering feminist fight day!

We are here because unfortunately there is virtually no FLINTA* person, no woman, no lesbian, no inter, non-binary, trans or agender person who has not experienced a stressful assault. Assaultive behaviour is an everyday occurrence for us…we are sexually harassed, harassed and belittled on the street, in public transport, at the office, when going out, doing sport, at school, at work, in the family and above all at home.  However, the patriarchy not only gives us traumatic experiences, but also ensures that the people affected are not helped:

  • The waiting time for initial counselling for victims of gender-based violence in Bremen is currently 16 weeks.
  • Victims have to wait months for a place in a women’s shelter, if they can pay for it at all.
  • And the nearest available place in a women’s shelter from Bremen is currently near Wolfsburg.
  • There is a shortage of 14,000 places in women’s shelter throughout Germany.

The Istanbul Convention came into force in Germany 6 years ago in order to improve the situation at least a little, for example,

  • that women’s shelter should be financed independently of flat rates per case,
  • that the police and judiciary should be trained in relation to gender-based violence and
  • that counselling centres should be expanded.

And what happened? Nothing!

Germany and Bremen have fallen far short of the targets. Both human rights organisations and the EU body that monitors the implementation of the Convention have even criticised Germany for not implementing the Istanbul Convention sufficiently. And the main point of failure is funding – the distribution of funds!

Existing support centres cannot even maintain the status quo because funding has not been adjusted to the rising costs of inflation. In Bremen, the abolition of the Corona Fund and the lack of a state budget mean that the work of most social institutions, including violence protection centres, is under essential threat. We are miles away from being able to finance the facilities in line with demand.

But we say: The money is there – it just needs to be made available and (correctly) redistributed!

We therefore demand:

a prioritisation of protection against violence and FLINTA* life!

and thus at least the immediate implementation of the Istanbul Convention!

This means: permanent, needs-orientated and unbureaucratic regular funding for violence protection and social facilities. It must be ensured that those affected by violence can go to a women’s shelter in their place of residence and do not have to persevere in violent relationships!

We also demand:
free and anonymous accommodation that is independent of residence status!

We demand:
that decision-makers finally open their eyes and do something about the fact that a person is killed every third day simply because they are of a certain gender.

that something is done to dismantle the underlying structures that systematically endanger human lives and to build structures that truly protect people.

We therefore demand:
long-term concepts for violence prevention and security instead of police and prisons!

We need support for youth work to prevent violence.

We need emancipatory work with girls and boys, in which they can learn what patriarchy does to them, and educational work on gender diversity!

We demand:
a social policy that does not cut where there is little, but redistributes from top to bottom!

An end to the devaluation of feminised professions and areas of life!

Away with the debt brake! Let’s have a tax on the rich! Bring on the good life for all!

We are standing here because we will not stop fighting until we live in a society and economy that is care-centred and oriented towards the common good. A society in which our basic needs and solidarity with one another take centre stage. Let’s be loud for a world in which no one is structurally threatened and no one is left alone!