Redebeitrag AWO Frauenhaus Bremen

– Content Note: in einem Absatz wird explizite Gewalt beschrieben/explicit violence is described in one paragraph –

 

Jede Stunde werden in Deutschland mehr als 14 Frauen Opfer von Partnerschaftsgewalt. Beinahe jeden Tag versucht ein Partner oder Expartner eine Frau zu töten.

Es fehlen, laut Frauenhauskoordinierung derzeit 14.000 Frauenhausplätze in Deutschland. Die Frauenhäuser sind überfüllt, in vielen FH können deshalb oft regulär keine Notaufnahmen mehr stattfinden. Besonders arg trifft es Frauen mit mehreren Kindern, oder Söhnen ab dem Teenageralter. Es ist unerträglich und die Zahlen steigen. 2/3 der in den Frauenhäusern lebenden Personen sind Kinder.

Studien belegen, welche Traumata die Kinder erleiden durch Gewalt, die ihre Mütter erlitten haben. Die Kinder, egal welchen Alters sind immer mitbetroffen Und ich betone IMMER !!  Frauenhäuser sind dementsprechend immer auch Kinderschutzhäuser.

In den meisten Frauenhäusern sind die Frauen mit ihren Kindern in einem Zimmer untergebracht, die Aufenthaltsdauer beträgt inzwischen oft ein Jahr, das ist belastend für alle Opfer und schon gar nicht kindgerecht oder adäquat, um die Folgen der Gewalterlebnisse zu verarbeiten.

Es ist für die Betroffenen schamvoll und erniedrigend, alles was sie sich in ihrem Leben aufgebaut haben ist weg. Der Täter sitzt nach der Trennung in der Wohnung oder Einfamilienhaus mit allen gemeinsam angeschafften Sachen. Viele Täter zerstören in dieser Zeit alles was der Frau und den Kindern lieb und wichtig ist. 2024 in Deutschland.

Die Formen der Gewalt sind unsichtbarer geworden in den letzten Jahrzehnten. Dazu ein Bericht einer Frau und von diesen gibt es tausende: Ihr Ehemann hielt täglich den gemeinsamen Säugling über eine heiße Herdplatte und drohte ihn daraufzusetzen, wenn sie nicht zu jeder Zeit den Sex mit ihm hatte den er verlangte.

Zur Erklärung: solche Taten sind nie nachweisbar!

Es besteht die allgemeine Annahme, dass die meisten Vergewaltigungen von fremden Tätern an dunklen Orten stattfindet- wir wissen, dass die meisten Vergewaltigungen in Partnerschaften zu finden sind – in allen Schichten- aber niemals nachgewiesen werden.

Inzwischen wissen wir aus zahlreichen Studien, dass die gefährlichste und lebensbedrohlichste Situation für Frauen und deren Kinder die Trennung und die Zeit nach der Trennung ist. In dem Zeitraum passieren die meisten Tötungen.

Frauen, die vor Partnerschaftsgewalt fliehen, stehen vor dem Nichts, müssen sich alles neu aufbauen, in andere Städte ziehen, um sich zu schützen, sich neue Jobs suchen – während es für den Täter im Lebensstandard weiter geht wie bisher. Ich habe Hochachtung vor jeder Frau, die sich aus einer gewalttätigen Beziehung trennt. Mutig seid ihr – ihr seid die Mutigsten.

Für Frauen in Deutschland ist der gefährlichste Ort das eigene zu Hause.

Und diese Gesellschaft macht sich mitschuldig, da sie die strukturelle Gewalt gegen Frauen immer wieder herunterspielt und durch die ökonomische Benachteiligung von Frauen begünstigt.

Statistisch belegte Hochrechnungen bestätigen jährlich weit über 45.000 Opfer von Partnerschaftsgewalt. Wenn ich mir vorstelle, dass eine strukturelle Straftat an einer anderen Bevölkerungsgruppe in Deutschland ausgeübt werden würde, anstatt an Frauen, ich wäre mir sicher, es würden schnell Maßnahmen und Gesetze entwickelt und verabschiedet und Täter in die Verantwortung genommen werden.

Danke an alle Frauenhauskolleginnen und Unterstützerinnen und weiterhin viel Kraft für diese wirklich schwere Arbeit, sich nicht nur täglich mit Gewalt gegen Frauen, sondern auch mit der institutionellen Gewalt gegen Frauen auseinandersetzen zu müssen, die unsere Arbeit so schwer macht.

Frauen, Ich wünsche mir, dass wir sensibel, solidarisch und laut sind, auch an allen Tagen eines Jahres.

 


Every hour, more than 14 women in Germany are victims of  partner violence. Almost every day, a partner or ex-partner attempts to kill a woman.

According to the Women’s Shelter Coordination, there is currently a shortage of 14,000 places in women’s shelters in Germany. Women’s shelters are overcrowded, which is why many shelters are often no longer able to provide regular emergency admissions. Women with several children or teenage sons suffer particularly severely. It is unbearable and the numbers are rising. 2/3 of the people living in women’s shelters are children.

Studies show the trauma that children suffer as a result of violence suffered by their mothers. The children, regardless of age, are always affected and I emphasize ALWAYS!  Women’s shelters are therefore always also child protection shelters.

In most women’s shelters, the women and their children are staying in one room, the length of stay is now often a year, which is stressful for all victims and certainly not suitable for children or adequate to deal with the consequences of the violence.

It is shameful and humiliating for the victims, everything they have built up in their lives is gone. After the separation, the perpetrator sits in the apartment or family home with all the things they have bought together. Many perpetrators destroy everything that is dear and important to the wife and children during this time. 2024 in Germany.

 

The forms of violence have become more invisible in recent decades. Here is a report from a woman, and there are thousands of them: Her husband held their baby over a hot stove every day and threatened to put him on it if she didn’t have the sex he demanded at all times.

To explain: such acts can never be proven!

There is a general assumption that most rapes by strangers take place in dark places – we know that most rapes take place in partnerships – in all social classes – but are never proven.

We now know from numerous studies that the most dangerous and life-threatening situation for women and their children is the break-up and the period after the break-up. This is when most killings occur.

Women who flee from partner violence are left with nothing, have to rebuild everything, move to other cities to protect themselves, look for new jobs – while the perpetrator’s standard of living continues as before. I have great respect for every woman who leaves an abusive relationship. You are brave – you are the bravest.

 

For women in Germany, the most dangerous place is their own home.

And this society is responsible for this, as it repeatedly plays down structural violence against women and encourages it by placing women at an economic disadvantage.

Statistically proven calculations confirm that there are well over 45,000 victims of intimate partner violence every year. If I could imagine a structural crime being committed against another population group in Germany instead of women, I would be sure that measures and laws would be developed and passed quickly and perpetrators would be held accountable.

Thank you to all my women’s shelter colleagues and supporters and I wish you continued strength for this really difficult work, not only having to deal with violence against women on a daily basis, but also with the institutional violence against women that makes our work so difficult.

Women, I hope that we are sensitive, supportive and loud, every day of the year.